Du magst Dir vielleicht die Frage stellen, warum ich einen ganzen Artikel einem scheinbar banalen Tisch widme, der irgendwo am Set rumsteht. Den meisten fällt dieser Tisch nicht einmal besonders auf: Kaffee in Thermoskannen, ein paar Wasserflaschen, belegte Brote. Und doch ist dieser Tisch weit mehr als nur eine Ablagefläche für Snacks zwischendurch.
Als Set-Runner*in gehört die Betreuung des Set-Tisches zu Deinem Aufgabenbereich. Genau deshalb schauen wir uns hier an, was der Set-Tisch eigentlich ist, was alles darauf gehört – und warum er einen Beitrag zu einem ruhigen, gut laufenden Drehtag leistet.
Was ist der Set-Tisch?
Der Set-Tisch ist eine organisatorische Anlaufstelle direkt am Set. Er ist eine Art Mini-Base für die Set-Aufnahmeleitung und ein fester Orientierungspunkt am Drehort. Alle im Team wissen, was mit „Set-Tisch“ gemeint ist – man muss nicht erklären, wofür er da ist.
Der Set-Tisch verbindet mehrere Funktionen an einem Ort. Zum einen ist er ein Standby-Catering in unmittelbarer Nähe zum Set. Kurze Wege sind hier entscheidend, vor allem für alle, die das Set nicht einfach verlassen können und zwischendurch nur einen Schluck Wasser oder eine kleine Stärkung brauchen.
Darüber hinaus erfüllt der Set-Tisch auch eine organisatorische Funktion. Hier findet man zum Beispiel frische Walkie-Akkus oder wichtige Informationen. Und wenn es tatsächlich einmal brennt, weiß jeder im Team: Am Set-Tisch steht auch ein Feuerlöscher.
Standby-Catering
Ein zentraler Teil des Set-Tisches ist das Standby-Catering. Gemeint ist die kleine Versorgung für zwischendurch, direkt am Set. Es geht dabei nicht um Hauptmahlzeiten, sondern um eine unkomplizierte Möglichkeit, sich zwischen den Takes kurz mit Getränken oder etwas zu essen zu versorgen.
Typischerweise findet man am Set-Tisch Getränke wie Kaffee, Tee und Wasser. Dazu kommen belegte Brote, Obst und Süßigkeiten. Was genau auf dem Tisch steht, verändert sich oft im Laufe des Tages. Morgens spielt der Kaffee eine größere Rolle, am Nachmittag kommen eher Snacks wie Obst oder Sweeties dazu, die schnell Energie liefern.
Der entscheidende Punkt ist die Nähe zum Set. Viele, die direkt vor oder hinter der Kamera arbeiten, verlassen das Set oft erst zur Mittagspause. Kurze Wege sorgen dafür, dass niemand warten muss, nur weil jemand kurz etwas trinken oder essen geht – zumal Essen und Getränke am Set selbst in der Regel nicht erlaubt sind. Kurz gesagt: Ein gut platzierter Set-Tisch reduziert Unterbrechungen und trägt zu einem ruhigeren, flüssigeren Ablauf bei, gerade an eng gestrickten Drehtagen.
Beispielhafter Tagesverlauf
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FRÜHSTÜCK (am Catering-Truck)
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DREHBEGINN
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Set-Tisch (Vormmitag)
- Belegte Brote und vorallem Kaffee
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MITTAGSPAUSE (am Catering-Truck)
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Set-Tisch (Nachmittag)
- Obst
- Süßigkeiten / „Sweeties“
- Kaffeerunde
- Gemüsesticks
- Brote / Wraps / Sandwiches (je nach Catering)
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2ND MEAL (falls es länger dauert)
Zweite warme Mahlzeit
(wenn klar ist, dass es in die Überstunden geht. Wird von der Produktion angekündigt). -
DREHSCHLUSS
Mehr als nur Catering
Der Set-Tisch ist nicht nur ein Ort für Snacks. Er ist auch ein organisatorischer Knotenpunkt. Häufig findet man dort die aktuelle Dispo, Walkies und Ersatzakkus, Listen, Stundenzettel – und je nach Dreh auch ganz praktische Dinge wie Sonnencreme oder Mückenspray. Ein oder mehrere Mülleimer gehören ebenso dazu.
Zudem ist der Set-Tisch sicherheitsrelevant. Jeder weiß: Hier stehen der Verbandskasten, Feuerlöscher (je nach Anforderungen auch für unterschiedliche Zwecke) und die obligatorischen Betriebshinweise.
Für Dich als Set-Runner in der Set-Aufnahmeleitung ist das im Grunde Eure Mini-Basis am Set. Hier könnt ihr Equipment parken, habt ein kleines Set-Büro und oft auch eine kleine Set-Apotheke. Es ist ein klar benannter Ort, an dem ihr schnell auf alles zugreifen könnt, was unmittelbar am Set gebraucht wird.
Ein beispielhafter Überblick zum Set-Tisch
Getränke & Basics
- Filterkaffee
- Heißes Wasser
- Teebeutel
- Zucker & Milch
- Trinkwasser
- Trinkflaschen
Funk & Energie
- Ersatz-Walkies
- Volle Akkus
- Ladestation
- Ersatz-Headsets
- PRCDs
- Schukos
- Bommeln
Papierkram
- Dispo (aktuell)
- Drehplan
- Drehbücher
- Stundenzettel
Sicherheit & Hinweise
- Verbandkasten
- Feuerlöscher
- Betriebshinweise
- Beschilderung
- Pylonen & Warnwesten
Hygiene & Schutz
- Küchenrolle
- Desinfektionsmittel
- Einmalhandschuhe
- Schuhüberzieher
- FFP2-Masken
- Ohrstöpsel
Set-Apotheke & Wetter
- Set-Apotheke
- Regenschirme
- Mücken- und Zeckenspray
- Sonnencreme
Ordnung
- Müllständer
- Gaffa
- Kabelbinder
Standort
Zu Beginn eines Drehtages wird meist gemeinsam überlegt, wo der Set-Tisch stehen kann. Das geschieht in Absprache zwischen Set-Aufnahmeleitung und Kamera, um einen Platz zu finden, an dem der Tisch möglichst den ganzen Tag nicht im Bild steht. Befindet sich der Set-Tisch im Freien, empfiehlt es sich natürlich, ein Easy-Up darüber zu stellen, um auch auf einen Wetterumschwung vorbereitet zu sein.
In der Praxis ist ein ganztägig fester Standort allerdings oft Wunschdenken. Motive ändern sich, Blickachsen verschieben sich, das Set zieht weiter. Entsprechend wandert auch der Set-Tisch im Laufe des Tages häufig mit. Manchmal ist das nervig, weil zuvor getroffene Absprachen nicht mehr gelten – aber so ist das manchmal eben.
Manche Set-Aufnahmeleiter*innen haben sich dafür mobile Set-Tische gebaut, montiert auf einer Sackkarre oder Handwagen. Das ist praktisch, aber kein Muss. Klappbare Tische erfüllen denselben Zweck. Entscheidend ist nicht die Konstruktion, sondern die Funktion.
Deine Aufgabe: Die Betreuung des Set-Tisches
Wenn Du als Set-Runner arbeitest, gehört die Betreuung des Set-Tisches klar in Deinen Aufgabenbereich. Dazu zählt, den Tisch bestückt zu halten, Ordnung zu bewahren und den Überblick nicht zu verlieren. Es geht dabei nicht darum, ständig daneben zu stehen, sondern mit einem halben Auge immer einen Blick darauf zu haben und mitzudenken.
Dieses Mitdenken zeigt sich vor allem im Tagesverlauf. Wenn Du zum Beispiel aus der Dispo weißt, dass nach der Mittagspause an einem Set 300 Meter entfernt weitergedreht wird, kannst Du schon vor der Pause beginnen, den Set-Tisch für den Umzug vorzubereiten – immer in Absprache über dein Walkie mit Deiner Set-Aufnahmeleitung.
Als Set-Runner sorgst Du außerdem dafür, dass Getränke nachgefüllt werden, stimmst Dich mit dem Catering ab und besprichst mit der Set-Aufnahmeleitung, wann ein guter Zeitpunkt ist, neue Snacks auf den Tisch zu stellen. Du behältst im Blick, dass Walkie-Akkus geladen sind und entsorgst volle Müllbeutel.
Gerade weil Set-Runner viele unterschiedliche Aufgaben haben, ist es sinnvoll, zu Beginn eines Drehtages klar festzulegen, wer für den Set-Tisch zuständig ist. So wird er zu einem definierten Arbeitsbereich, um den sich jemand regelmäßig kümmert. Eine klare Rollenvergabe verhindert, dass alle ein bisschen zuständig sind – und am Ende niemand so richtig.
Exkurs: Warum Catering beim Film so wichtig ist
Für Außenstehende wirkt das Thema Catering am Filmset manchmal übertrieben. In vielen Berufen gibt es keine feste Versorgung am Arbeitsplatz. Beim Film ist das anders – und das aus gutem Grund.
Filmproduktionen arbeiten oft von einem auf den anderen Tag mit wechselnden Teamgrößen, unregelmäßigen Arbeitszeiten und häufigen Umstellungen von Tag- auf Nachtdreh. Pausen lassen sich nicht immer exakt planen, weil Szenen erst zu Ende gedreht werden müssen oder Gewerke in einer bestimmten Reihenfolge in die Pause gehen. Oft arbeitet man an abgelegenen Orten, vielleicht auf einer Reiseproduktion, und die Drehtage sind mitunter sehr lang. Ein gutes Catering ist deshalb entscheidend für die Stimmung und Leistungsfähigkeit des Teams.
Aus diesem Grund arbeiten viele Produktionen mit spezialisierten Filmcaterings, die mit mobilen Küchen direkt an der Basis stehen. Es gibt ein Frühstück, ein warmes Mittagessen, Snacks zwischendurch und bei langen Drehtagen ein sogenanntes 2nd Meal – eine zweite warme Mahlzeit. Der Set-Tisch ergänzt dieses System direkt am Set und sorgt dafür, dass die Versorgung auch unmittelbar gewährleistet bleibt.
Wenn improvisiert werden muss
Ich hatte einmal einen langen Nachtdreh, bei dem früh klar war, dass wir in Überstunden gehen würden. Ein 2nd Meal war angesetzt. Das Catering bereitete eine Suppe vor und gab uns mobile Herdplatten mit, damit wir sie später am Set wieder erwärmen konnten.
Als das Catering bereits abgefahren war und wir als Runner die Suppe an den Set-Tisch bringen wollten, stellten wir fest, dass die Induktionsplatten nicht mit den Töpfen funktionierten. Also saßen wir mitten in der Nacht auf einem Bürgersteig in Leipzig und wärmten die Suppe mit einem Gasbrenner auf. Es muss ziemlich merkwürdig ausgesehen haben, wie wir dort mit offener Flamme einen Suppentopf bearbeiteten – keine Empfehlung zum Nachmachen.
Am Ende war die Suppe heiß und das Team versorgt. Es sind oft die kleinen Dinge im Hintergrund, die dafür sorgen, dass vorne alles rund läuft – auch wenn dafür manchmal improvisiert werden muss.





