Das Walkie: So kommunizierst du am Set richtig

Ein klarer Step-by-Step-Guide für Walkie-Funk am Set: Von Grundfunktionen bis zu Funksprüchen, die du jeden Tag brauchst.
Tafel mit Funkgerät und der Aufschrift „Funk ABC“ als Einführung in Walkie-Talkie-Grundlagen am Filmset

Als Set-Runner*in wirst Du schnell merken: Kommunikation ist am Set alles. Ohne schnelle und reibungslose Abstimmung würde ein Drehtag sofort ins Stocken geraten. Und genau hier kommt das Walkie-Talkie (kurz: Walkie) ins Spiel. Es wird eines deiner wichtigsten Werkzeuge im Set-Alltag sein.

Ein ganzer Drehtag läuft über Funk: Ein kleiner Stöpsel im Ohr hält dich über alles auf dem Laufenden, was gerade am Set passiert. Du bekommst Aufgaben, Informationen, Kommandos – und gibst natürlich auch selbst Dinge weiter.

Weil das Walkie eine so zentrale Rolle spielt, schauen wir uns im Folgenden genauer an, wie es funktioniert, welche Regeln du unbedingt kennen solltest und welche typischen Funksprüche dir überall begegnen werden.

Quick Start: So bist du schnell einsatzbereit

  1. 1

    Frischen Akku einlegen

    Starte nie mit einem halbvollen Akku in den Tag. Hol dir direkt zu Beginn einen frischen – das erspart dir später Stress.

  2. 2

    Kanal 1 einstellen & Walkie einschalten

    Dreh den Lautstärkeregler auf (damit schaltest du das Walkie ein) und stell sicher, dass du auf Kanal 1 bist.

  3. 3

    Vernünftig verkabeln

    Nimm dir kurz Zeit und leg das Headset sauber an: Stöpsel ins Ohr, Kabel unter die Kleidung, Walkie an den Gürtel clippen. Einmal richtig verkabelt, hast du den ganzen Tag Ruhe.

  4. 4

    Walkie-Check machen

    Jetzt meldest du dich an: „Walkie-Check – hört mich jemand?“ Kommt ein „Copy“ zurück, bist du offiziell eingecheckt und der Tag kann starten.

Grundlegende Funktionsweise

Wahrscheinlich hattest du schonmal ein Walkie-Talkie in der Hand und kennst das Prinzip: drücken, sprechen, loslassen, auf Antwort warten. Klingt simpel – und doch ist genau das einer der häufigsten Anfängerfehler.

Ein Walkie ist kein Smartphone. Es können nie zwei Personen gleichzeitig sprechen. Erst wenn jemand fertig ist und die Taste loslässt, kann die andere Person antworten. Wenn du also drückst und sofort losredest, fehlen den anderen oft die ersten Wörter – und schon muss jemand nachfragen.

Wenn du dieses einfache Prinzip verinnerlichst, hast du den wichtigsten Schritt schon geschafft.

Walkie-Talkie mit markierter Sprechtaste, Lautsprecher sowie Kanal- und Lautstärkeregler zur Erklärung der Grundfunktionen am Filmset

Walkie richtig anlegen – so geht’s

Dein Arbeitstag beginnt immer damit, dass Du Dein Walkie anlegst und einen Walkie-Check machst. „Walkie-Check – hört mich jemand?“ Das ist Dein „Ich bin da“-Signal.

Wie legt man das Walkie jetzt richtig an? Mit der Zeit entwickelt jeder seine eigene Technik – und es lohnt sich, sich dafür am Anfang kurz Zeit zu nehmen. Nichts ist nerviger, als den halben Tag am Walkie herumzufummeln, bis alles endlich richtig sitzt. Das ist wie Schuhe, die ständig aufgehen, weil man sie nicht vernünftig gebunden hat.

So habe ich es meistens gemacht:
Ich verbinde das Walkie mit dem Headset und lasse das Walkie am Rücken zwischen Shirt und Pullover nach unten rutschen. Headset nie direkt auf der Haut – das scheuert nur. Dann befestige ich das Walkie an der rechten Seite am Gürtel. Ja, ein Gürtel ist sinnvoll – sonst rutscht irgendwann die Hose.

Das Mikrofon fädele ich unter dem Pullover nach vorn und clippe es außen in Mundnähe fest. Den durchsichtigen Schallschlauch kannst Du ebenfalls mit einem Clip in Ohrnähe befestigen. Leg den Schlauch um Dein Ohr und steck den Stöpsel ins Ohr. Fertig.

Je weniger Kabelsalat, desto weniger Stress am Tag.

Walkie-Talkie mit angeschlossenem Headset, markiertem Mikrofon, Sprechtaste und Anschlusspunkt für die Funkkommunikation am Filmset

Funkkanäle

KANAL 1. Das ist der Hauptkanal – der Produktionskanal. Dein Kanal. Hier läuft alles zusammen, was den Drehtag am Laufen hält. Alle Set-Ansagen, alle Regie-Infos, alle Kommandos („Achtung, wir drehen!“), alle organisatorischen Abläufe.

Über diesen Kanal funkt die Set-Aufnahmeleitung, die Regieassistenz, oft auch Teile von Kostüm, Maske, Set-Requisite. Hier hörst du, wenn gedreht wird, wenn umgebaut wird, wenn jemand gesucht wird, wenn jemand fehlt, wenn eine Probe läuft usw. Kurz: es ist der Puls des Sets.

Klar, je nach Produktion oder Teamgröße variiert die Aufteilung, aber hier mal eine gängige, beispielhafte Übersicht. Die Kanalzuteilung findest du meistens auch auf der Dispo.

Kanal Funktion Erklärung
1 Produktionskanal Hauptkanal. Hier funkt alles zusammen – Set-Ansagen, Regieassistenz, Set-AL, Kostüm/Maske/Requisite.
2 Specials Oft genutzt für Auftrittszeichen oder Kommandos an Spielfahrzeuge, Schauspieler*innen und Komparsen.
3 Licht Kanal der Lichtabteilung.
5 Kamera Kamerateam kommuniziert hier.
7 Kamerabühne (Grip) Kanal der Grip-Abteilung.
9 Requisite Kommunikation der Requisite.
17 Toilette Der legendäre Klo-Kanal. Wird überraschend häufig genutzt.
Wirst du auf keinem Walkie finden.

Die wichtigsten Funkregeln am Set

Set-Funk wirkt am Anfang wie eine eigene Sprache mit eigenen Regeln. Ein paar Grundsätze sorgen dafür, dass es nicht chaotisch wird. Sie sind nicht kompliziert, aber wichtig. Wenn du diese Standards kennst, bewegst du dich am Set ganz selbstverständlich durchs Funkgeschehen.

1. Erst drücken, dann sprechen

Das ist eine der wichtigsten Regeln überhaupt. Drücke die Sprechtaste (PTT – Push to Talk), warte einen Wimpernschlag – erst dann sprechen. Sonst fehlt der halbe Satzanfang. Erst drücken, dann sprechen.

2. Fasse dich kurz

Sei klar, präzise und komm auf den Punkt. Funk ist kein Ort für lange Erklärungen oder Small Talk.

3. Melde dich ab, wenn du vom Funk gehst

Es wird immer Momente geben, in denen du den Ohrstöpsel rausnehmen musst: ein Telefonat, Umziehen, Toilette (Kanal 17). Melde dich vorher bei deiner Set-Aufnahmeleiterin ab. Nur so weiß dein Team, dass du gerade nicht erreichbar bist.

4. Nicht funken, während gedreht wird

Nie im Take funken. Nie. Mikrofone sind empfindlich, und manche Crewmitglieder haben ihr Headset so laut, dass man es auf der Tonspur hören kann. Es kann auch irgendwo eine „offene Funke“ rumliegen – ein Walkie ohne Headset.

5. Immer bestätigen

Wirst du angesprochen, melde dich: „Max hört.“
Erhältst du eine Aufgabe, bestätige sie: „Copy.“ / „Verstanden.“
Das zeigt, dass die Info angekommen ist.

6. Direkte Ansprache

Nie: „Kann mir jemand sagen…?“
Immer: „A für B.“ / „Erika für Max.“

So weiß jeder sofort, wer gemeint ist – und alle anderen können den Funkspruch ignorieren. Außerdem vermeidet das Doppelfunk.

7. Längere Gespräche auf einen freien Kanal

Alles, was nicht in zwei Sätzen geklärt ist, gehört nicht auf Kanal 1.
Entweder zur Person hingehen, oder:

„Gehen wir kurz auf Kanal 5.“ [oder ein andere der gerade frei ist]

Dort besprechen, danach zurück auf den Hauptkanal – und auch das ansagen: „Gehe zurück auf die 1.“

Ich nenne diesen Kanal gern „Schnittchenfunk“ – dort kann man auch kurz klären, ob man Brote zum Set bringen soll. Und wenn ja, wieviele.

8. Allgemeine Funkdisziplin

Gequatsche, Musik, Witze – das verstopft die Leitung. Klingt spaßbefreit, oder? Aber in Wirklichkeit gibt es immer wieder Momente für Humor, auch über Funk. Man sollte nur wissen, wann es passt und es nicht übertreiben.

9. Sag, wo du bist

Der Set-Aufnahmeleiter kann nicht ständig wissen, wo alle sind. Also sag’s aktiv. Wenn ein Schauspieler gesucht wird, du aber gerade ein Standrohr an der Basis aufbaust, dann sag das – und warte auf weitere Anweisungen.

10. Hab immer einen Ersatzakku dabei

Es kann jederzeit passieren, dass du eine Position einnimmst, von der du nicht so schnell wegkommst. Und genau dann verabschiedet sich gern mal der Akku.

Deshalb: Hab immer einen Ersatzakku auf Tasche. Das rettet nicht nur dich, sondern manchmal auch andere im Team, die plötzlich ohne Saft dastehen. Mit einem Ersatzakku bist du vorbereitet.

11. Dreh hat immer Priorität

Das gilt nicht nur für Funk, sondern generell. Am Ende zählt das, was vor der Kamera passiert. Alles, was den Dreh am Laufen hält, hat Vorrang – weil sonst Zeit und Geld verloren gehen.

Gerade am Anfang ist das schwer zu verinnerlichen, die volle Bedeutung wirst du nach und nach verstehen.

Ein Beispiel:
Du sortierst gerade in Ruhe den Set-Tisch. Über Funk kommt: „Wir suchen Schauspielerin X für die nächste Szene.“ Dann ist deine neue Aufgabe nicht mehr der Set-Tisch – sondern die Schauspielerin zu finden. Punkt.

Typische Funksprüche – kurz erklärt

Die folgenden Funksprüche sind nur eine kleine Auswahl von dem, was dir am Set begegnen wird. Vieles ergibt sich automatisch, sobald du erstmal am Set stehst. Mit diesen ersten „Vokabeln“ bist du aber bestens vorbereitet. Und wenn du mal etwas nicht verstehst, frag einfach nach.

Funkspruch Bedeutung Erklärung
A für B A möchte mit B sprechen Gezielte Ansprache einer Person.
„Max für Erika“
„Höre.“ / „Max hört.“ Ich höre zu. Antwort, wenn du angesprochen wirst.
„Achtung, wir drehen!“ Warnung bevor der Take startet. Set, Umfeld und Funk müssen komplett leise sein.
„Danke, aus!“ Aufnahme ist beendet. Du kannst wieder funken.
„Wir machen noch eine.“ Take wiederholen Der letzte Take war okay, aber es wird noch eine Version gedreht.
„Die haben wir.“ Take ist im Kasten Weiter zur nächsten Einstellung.
„Wir bauen um.“ Umbau Crew wechselt Positionen / Licht / Kamera.
„Wir drehen gleich wieder“ Nächster Take in Kürze Letzte Vorbereitungen, kurze Wartezeit.
„Copy.“ / „Verstanden.“ Info angekommen Immer nutzen, um Aufträge zu bestätigen.
„Doppelfunk.“ Zwei haben gleichzeitig gefunkt Funkspruch wurde nicht übertragen. Nochmal funken.
„Puster.“ Auftrittszeichen
Ins Mikro gepustet.
Signal für Schauspieler*innen ihren Auftritt zu starten – oft auf einem separaten Kanal.
„Lass uns auf Kanal 2 gehen.“ Kanalwechsel Für längere Gespräche oder Abstimmungen.
„Gehe zurück auf die 1.“ Zurück zum Hauptkanal Nach Nebenkanal-Gesprächen.
„Mittagspause.“ Pause beginnt Endlich!
„Drehschluss.“ Ende des Tages Der schönste Funkspruch des Tages.

„Danke, aus!“

Bei all den Regeln, Standards und Abläufen darf man eines nicht vergessen: Funk kann auch richtig Spaß machen. Vor allem morgens, wenn der Drehtag langsam anläuft und die Hektik noch ein bisschen auf sich warten lässt.

Ich hatte mal einen Kollegen, der hat jeden Morgen denselben Song über Funk abgespielt: „Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein…“

Du wirst dich da schnell eingrooven. Nach ein paar Tagen geht dir das Funken in Fleisch und Blut über und fühlt sich völlig selbstverständlich an. Vielleicht entwickelst du sogar denselben Tick wie ich früher: dass man noch lange nach Drehschluss automatisch nach dem Mikro greift – obwohl das Walkie längst abgelegt ist. Und manchmal hört man die Funksprüche noch im Kopf nachhallen.

Und niemals vergessen: Erst drücken, dann sprechen.
Over and out.

Bild von Björn S. Breyer

Björn S. Breyer

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