Der Ladetag: Was dich an deinem ersten Arbeitstag erwartet

Ein kompakter, praxisnaher Einstieg in Deinen ersten Tag als Set-Runner – mit typischen Aufgaben, klaren Abläufen und allem, was Dir den Start am Ladetag leichter macht.
Set-Runner beim Beladen eines Transporters am ersten Arbeitstag einer Filmproduktion

Wenn Du das hier liest, hast Du wahrscheinlich Deinen ersten Job als Set-Runner ergattert. Herzlichen Glückwunsch! Und vielleicht fragst Du Dich jetzt, was Dich an Deinem ersten Arbeitstag erwartet. Du stellst Dir vor, wie es am Set aussieht, wie die Stimmung ist, wie viel Spannung in der Luft liegt.

Die Realität ist meistens eine andere: Dein erster Tag ist selten Dein erster Drehtag. Fast immer beginnt er mit dem Ladetag – einem Vorbereitungstag, an dem Dein Team die Grundlage schafft, damit der Dreh am nächsten Morgen reibungslos starten kann.

Bevor wir einsteigen: Bei jeder Produktion sieht dieser Tag ein wenig anders aus.
Das hier ist keine Anleitung, sondern ein Beispiel. Ein Einblick. Ein Gefühl dafür, was passieren kann, damit Du nicht völlig blind startest.

Was der Ladetag eigentlich ist

Der Ladetag ist meist der Tag vor dem ersten Drehtag. Er ist ein spannungsreicher Tag: Alle, die schon in der Vorbereitung am Projekt gearbeitet haben, wissen, dass es jetzt ernst wird. Und gleichzeitig startet heute auch ein großer Teil des restlichen Teams – alle kommen an Bord.

Bevor aber die erste Klappe fällt, lädt jede Abteilung ihr Equipment ein, organisiert, sortiert, bespricht und bereitet alles für den Start vor.

Für Dich heißt das:
Du beginnst nicht mitten im Tagesgeschäft, ohne Luft zu holen, sondern in einer Art Warm-up-Zone. Du lernst zuerst Deine Abteilung kennen – die Set-Aufnahmeleitung. Du kannst Dich mit dem Equipment vertraut machen, das Du in den nächsten Wochen ständig in der Hand haben wirst. Und Du bekommst ein Gefühl für Abläufe und Begriffe, die Dir bald ganz selbstverständlich vorkommen.

Mental ist das ein guter Einstieg: viele kleine Aufgaben, weniger Zeitdruck.
Wie viel Verantwortung Du an diesem Tag schon bekommst, hängt von Deinem Team ab.

Was realistisch auf Dich zukommt:
Du hilfst dort, wo zwei Hände fehlen. Ihr macht Besorgungen, fahrt von einem Lager zum nächsten, bereitet ein bisschen Bürokram vor – und Du lernst die ersten Kolleg*innen aus anderen Abteilungen kennen.

Was Du für den Ladetag einpacken kannst

💧

Wasser & Snack

Heute hat das Catering noch geschlossen – pack Dir selbst etwas ein.

🔋

Powerbank

Ihr seid viel unterwegs und Dein Handy wird heute öfter wegen Absprachen klingeln.

🧤

Arbeitshandschuhe

Auch wenn Du welche gestellt bekommst: Es ist gut, sofort loslegen zu können.

🧥

Wetterfeste Kleidung

Gilt für den ganzen Dreh – am Ladetag merkst Du es sofort.

💻

Laptop

Klär das vorher ab. Manchmal übernimmst Du schon kleine Büroaufgaben.

✏️

Edding / Kugelschreiber

Es gibt immer etwas zu beschriften. Immer.

🛠️

Multitool / Taschenmesser

Hilft Dir bei allen erdenklichen Aufgaben am Ladetag.

📄

Was zu lesen

Ob Drehplan, Drehbuch, Stabliste oder Dispo. Wenn ihr länger unterwegs seid, kannst Du Dich schon ein bisschen vorbereiten – digital oder ausgedruckt.

Die Dispo – das Gerüst für den Tag

Auch für den Ladetag gibt es in der Regel eine eigene Dispo.
Anders als an Drehtagen ist sie eher ein grobes Gerüst. Jede Abteilung organisiert sich an diesem Tag so, wie es für sie sinnvoll ist.

Trotzdem gibt sie Dir einen guten Überblick:

  • wohin ihr fahrt
  • welche Aufgaben anstehen
  • wer was wann und wo macht
  • und Hinweise, die für den Tag relevant sind – zum Beispiel, ob es ein Warm-up gibt

Es lohnt sich immer (in der Aufnahmeleitung ist es Pflicht), eine Dispo nicht nur halb zu lesen. Du erkennst so Zusammenhänge, die an diesem Tag wichtig werden können. Und es schult das Mitdenken – etwas, das Dir später auch bei Tagesdispos extrem hilft.

Aber kein Stress: Für den Anfang reichen drei Minuten, um einmal drüberzuschauen.

Wenn Du mal sehen willst, wie so eine Dispo aussehen kann:
Ich habe Dir eine fiktionalisierte Ladetags-Dispo aus einem meiner Projekte erstellt. Der Inhalt ist realistisch, aber alle Daten, Namen und Firmen wurden komplett verändert. So bekommst Du einen ersten Eindruck, wie das Ganze in echt wirken könnte.

Beispiel Ladetagsdispo

Der Set-Sprinter – euer fahrendes Lager

Der Set-Sprinter, manchmal auch einfach Set-Bus genannt, ist ein Transporter, Kastenwagen oder sogar ein LKW, in dem euer gesamtes Equipment Platz findet. Alles, was ihr am Ladetag einladet, werdet ihr während des Projekts unzählige Male wieder ausladen und einladen. Das ist leicht übertrieben – aber die Richtung stimmt. Ein gut organisierter Set-Sprinter ist ein riesiger Vorteil und spart Euch später viel Zeit und Chaos.

Am Ladetag übernehmt ihr den Sprinter oder holt ihn bei einer Mietstation ab.

Was darin landet, wirkt für Außenstehende oft kurios. Es ist eine Mischung aus Campingladen, Elektrobedarf, Baumarkt, Büro und ganz viel Alltagskram:

  • Kabel in allen Längen
  • Stromverteiler
  • Easy-Ups (faltbare Zelte)
  • Kabelbrücken
  • Regiestühle
  • Absperrmaterial (Pylonen, Flatterband, Warnwesten)
  • Stative und Sandsäcke
  • Werkzeug und Kleinkram
  • Verbandskasten
  • Müllständer und Aschenbecher
  • Bürobedarf
  • … und noch vieles mehr (diese Liste ist nicht mal annähernd vollständig)

Filmtechnikverleih

Eine eurer ersten Anlaufstellen am Ladetag wird fast immer ein Technikverleih sein, der auf Filmproduktionen spezialisiert ist. Dort bekommt ihr vor allem diverse Stromkabel und die dazu passenden Verteiler.

Schon hier begegnen dir die ersten Fachbegriffe:
16A-Verteiler, 32A-Längen, Bommeln, Schuko PRCD-S.

Alles Begriffe, die dir wahrscheinlich am Anfang noch nichts sagen – und die du mit der Zeit ganz automatisch lernst.

Neben den Stromsachen ladet ihr dort meist auch Easy-Ups, Regiestühle, Sandsäcke oder Kabelbrücken ein.

Beim Laden markiert ihr euer Equipment mit Lassoband – knallfarbenes Klebeband, das verhindert, dass eure Kabel plötzlich „zur Lichtabteilung gehören“. Ein kleines Detail, das im Set-Alltag unglaublich hilfreich ist.

Vieles solltet ihr vor dem Einladen einmal testen. Ein Zelt, das sich später nicht aufspannen lässt, ist am Set nicht wirklich hilfreich. Und ein kurzer Check spart später oft Diskussionen darüber, wer für einen Defekt verantwortlich ist – gerade beim Mietmaterial.

Walkies

Je nach Produktion holt ihr die Walkies beim Verleiher ab – oder ein Produktionsfahrer bringt sie euch. Auf jeden Fall werdet ihr euch am Ladetag schon damit beschäftigen.

Die Herangehensweise unterscheidet sich von Team zu Team ein wenig, aber das Grundritual bleibt fast immer gleich:

  • Akkus laden
  • Ersatzakkus sortieren
  • Headsets durchtesten
  • Walkies beschriften und den Abteilungen zuweisen

Das Walkie ist das wichtigste Kommunikationsmittel am Set. Ohne Funk kommt man am Set nicht weit. Wenn Du tiefer ins Thema Walkies und Funk einsteigen willst, findest Du in meinem Funk-ABC eine ausführliche Zusammenfassung.

Was sonst noch eingesammelt wird

Im Laufe des Tages werdet Ihr weitere Stationen ansteuern und zusätzliches Equipment einladen. Wenn die Produktionsfirma ein eigenes Lager hat, fahrt Ihr dort vorbei. Manches lagert die Set-Aufnahmeleiterin auch privat – einfach, weil sie aus Erfahrung weiß: „Wenn wir das nicht dabeihaben, fehlt es irgendwann.“

Du wirst am Ladetag also viel tragen. Viel herumlaufen. Und schnell merken, wie wichtig es ist, auf jede Eventualität vorbereitet zu sein: jedes Wetter, jede Location, jede Überraschung.

Ein paar Dinge, die ziemlich sicher auch in Eurem Set-Sprinter landen werden:

  • Schmutzfangmatten
  • Feuerlöscher
  • Bierzeltgarnituren
  • Pylonen
  • Standrohr

Einkauf (Verbrauchsmaterial)

Am Ladetag gehört fast immer eine kleine Shopping-Tour dazu.

Nichts Aufregendes – aber lauter Dinge, die ihr im Alltag ständig braucht und die genau dann fehlen, wenn man sie nicht vorher besorgt hat.

  • Küchenrolle
  • Müllbeutel
  • Zeckenspray
  • Gaffa
  • Toilettenpapier
  • Arbeitshandschuhe
  • Desinfektion
  • Kabelbinder
  • Putzlappen

Fahrzeuge übernehmen

Zu diesem Thema werde ich sicher noch einen eigenen Artikel schreiben. Für den Anfang reicht es aber, wenn Du weißt: Die Set-Aufnahmeleitung hat auch mit der Betreuung des sogenannten Basis-Fuhrpark zu tun. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Maskenmobil
  • Kostümmobil
  • mehrere Schauspieleraufenthalte
  • Team-Aufenthalt
  • WC-Wagen
  • Stromgenerator

Es gibt immer noch Produktionen, in denen Teile dieses Fuhrparks von der Set-Aufnahmeleitung selbst bewegt oder umgesetzt werden. Ich bin kein großer Freund davon – und erwähne es nur deshalb, weil es bei Dir eventuell vorkommen könnte.

Wichtig ist: Das muss im Vorfeld mit der Produktion geklärt sein.
Und das ist nicht Deine Aufgabe, sondern die Deiner Set-Aufnahmeleiterin.

Ein Punkt, der hier relevant ist:
Bei der Fahrzeugübergabe sollte man ein kleines Fotoprotokoll machen. Einmal mit dem Smartphone durchknipsen – innen, außen, rundum. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Routine. Schäden passieren. Dokumentation schafft Sicherheit.

Ob das bei Deiner Produktion notwendig ist, wirst Du erfahren, wenn es soweit ist.

Illustration in Draufsicht: ein Haus als Set, umgeben von Crew-Icons und Filmlampen. Davor mehrere Technik-LKWs. Rechts davon die Basis mit Kostüm-, Masken-, Aufenthalts- und Stromfahrzeugen. Orangenfarbene Pylonen markieren Wege zwischen Set und Basis.
Vereinfachte Darstellung der üblichen Anordnung am Drehtag.

Büroarbeit

Ein bisschen Bürokram gehört am Ladetag fast immer dazu.
Du wirst vermutlich Set-Schilder und Rollenschilder anfertigen, drucken und laminieren. Diese Schilder sind ein ganz normaler Teil der Ausrüstung der Set-Aufnahmeleitung – und Du wirst später täglich damit zu tun haben.

Außerdem druckt Ihr die wichtigsten Dokumente für den Dreh aus und richtet im Set-Sprinter ein kleines Büro ein. Dazu gehören unter anderem:

  • Stablisten
  • Drehpläne
  • Drehbücher
  • Arbeitsschutzhinweise

Alles, was während des Drehs schnell griffbereit sein muss, sollte am Ladetag schon seinen Platz finden.

Vorbereitung der Basis

Oft kommt es am Ladetag auch dazu, dass ihr Euch schon einmal mit der Basis für den ersten Drehtag vertraut macht. Diese Chance habt ihr meist nur an diesem Tag – und sie ist ideal, um mit einem guten Gefühl in den Drehbeginn zu gehen und schon vorab einen Überblick zu bekommen.

Typische Schritte:

  • Basisfahrzeuge checken und vorbereiten
  • Strom checken (ggf. erste Verkabelungen legen)
  • Wegweiser planen und Laufwege klären
  • erste Beschilderung anbringen
  • falls möglich schon einmal das Set inspizieren
  • kurze Absprache mit der 1. Aufnahmeleitung bzw. der Motivaufnahmeleitung

Warm-up

Manche Produktionen starten am Tag vor Drehbeginn mit einem kleinen Teamtreffen. Man sieht sich zum ersten Mal, kommt ins Gespräch, trifft erste Absprachen und bekommt die obligatorische Arbeitsschutzunterweisung.

Leider sind Warm-ups ein bisschen aus der Mode gekommen und finden nicht mehr so häufig statt.

Ich persönlich mag sie sehr: Sie nehmen ein Stück Nervosität, man lernt das Team früh kennen und fühlt sich gut vorbereitet, um am ersten Drehtag voll durchzustarten.

Was du mitnehmen kannst

Der Ladetag ist ein leiser Start. Weniger hektisch als ein Drehtag, dafür voller kleiner Aufgaben. Ein Tag zum Ankommen.
Du lernst Dein Team kennen, bekommst ein erstes Gefühl für Abläufe und siehst, wie das Projekt langsam Fahrt aufnimmt und den Hafen verlässt.

Es ist völlig normal, an diesem Tag vieles zum ersten Mal zu hören oder Dinge noch nicht einordnen zu können. Genau dafür gibt es den Ladetag.
Wenn Du offen reingehst, findest Du Dich schneller zurecht, als Du jetzt vielleicht denkst.

Bild von Björn S. Breyer

Björn S. Breyer

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