Was kommt nach dem Job als Set-Runner*in? 5 Wege

Welche Wege sich nach dem Job als Set-Runner*in wirklich ergeben können – und wie Du herausfindest, welcher davon zu Dir passt.
Wegweiser mit Richtungen wie Produktionsbüro, Technik, Set, Basis, Studium und Exit als Symbol für mögliche Wege nach dem Job als Set-Runner*in

Machen wir uns nichts vor: Der Job als Set-Runner*in ist ein absoluter Einstiegspunkt in die Filmwelt.

Und ich will Dir hier keine falschen Versprechungen machen. Dieser Job ist kein magisches Sprungbrett, mit dem Du automatisch schnell Karriere machst.

Vielmehr ist die Zeit als Runner eine Orientierungsphase.
Nach Deinem ersten Projekt kannst Du vor allem eins machen: einen ehrlichen Realitätscheck.

  • Ist Film überhaupt mein Ding?
  • Mag ich dieses Tempo?
  • Halte ich diese Kommunikationskultur aus?
  • Liegt mir Projektarbeit, oder will ich eigentlich einen geregelten Job?
 

Und genau das ist der eigentliche Wert dieses Jobs. Als Set-Runner*in hast Du eine ziemlich besondere Beobachtungsposition. Du kommst mit vielen Departments in Kontakt, bekommst Einblicke in ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche und merkst relativ schnell, was Dir persönlich liegt – und wo Du Dich vielleicht langfristig siehst.

In diesem Artikel schauen wir uns 5 Wege an, die ich in der Praxis immer wieder beobachtet habe – bei anderen und auch bei mir selbst. Natürlich gibt es noch viele weitere Perspektiven. Aber das hier sind, aus meiner Sicht, die gängigsten.

Inhalt

1. Du bleibst in der Produktion

Natürlich steht dieser Punkt an erster Stelle. Nicht nur, weil ich diesen Weg selbst gegangen bin, sondern auch, weil Du als Set-Runner*in zunächst im Department Produktion arbeitest – und sich von dort aus viele Wege ergeben.

Es gibt diesen Spruch:

„Sei nett zu Deinem Set-Runnerin, er könnte später Deine Produktionsleiterin sein.“

Und ganz ehrlich: Der ist nicht übertrieben.

Wenn du dich mal eine Stunde lang durch Crew-United-Vitas klickst, siehst du dieses Muster ständig. Der klassische Aufstieg sieht oft so aus:

Set-Runner → Set-Assistenz → Set-Aufnahmeleitung → 1. Aufnahmeleitung → Produktionsleitung

Das ist ein ziemlich geradliniger Weg – und ja, der ist absolut machbar.

Aber er muss nicht so aussehen.

Bei mir selbst war es zum Beispiel:

Set-Runner → Set-Assistenz → Motiv-Aufnahmeleitung → 1. Aufnahmeleitung

Genau das ist der Punkt: Innerhalb der Produktion gibt es unzählige Querverbindungen.
Du bist nicht auf eine einzige Linie festgelegt, sondern kannst Dich auch anders entwickeln – je nachdem, wo Deine Stärken liegen.

Diagramm mit möglichen Karrierewegen in der Produktion vom Set-Runner über Set-Assistenz und Aufnahmeleitung bis zur Produktionsleitung
möglichen Karrierewegen in der Produktion

Set-Assistenz

Den Job der Set-Assistenz möchte ich hier besonders hervorheben. Warum? Weil er für viele der nächste logische Schritt nach einem Runner-Job ist, und oft so etwas wie ein Knotenpunkt für weitere Wege.

Als Set-Assistenz bist Du eine wichtige Schnittstelle. Du arbeitest eng mit der Set-Aufnahmeleitung zusammen und kümmerst Dich um viele organisatorische und logistische Abläufe.

Das bedeutet konkret:

  • Du behältst Zeiten im Blick (z. B. Kostüm und Maske)
  • Du organisierst Fahrten
  • Du koordinierst Abläufe im Hintergrund (an der Basis)
  • Du bist so etwas wie das Back-Office direkt am Set
 

Der Sprung in diese Position passiert meistens ziemlich organisch. Wenn Du zwei oder drei Runner-Jobs gemacht hast und dabei zuverlässig warst, wird das gesehen. Irgendwann kommt dieser Moment, in dem dir jemand das Vertrauen schenkt. Und das passiert oft schneller, als man denkt.

Bei mir war es ähnlich: Ich hatte drei Runner-Jobs hinter mir, da kam dann plötzlich der Anruf, ob ich als Vertretung für die eigentliche Set-Assistenz einspringen kann. Die ursprüngliche Set-Assistenz kam einfach nicht zurück – und ich bin geblieben. An dieser Stelle merkt man dann auch immer wieder, wie wichtig Kontakte beim Film sind.

2. Du studierst

Der Job als Set-Runner ist für viele nicht das Ziel, sondern das Ticket zum Studium.
Viele Filmhochschulen verlangen für eine Bewerbung den Nachweis von berufspraktischer Erfahrung. Und genau da kann Dir ein Runner-Job enorm helfen.

Egal, ob Du später Film- und Fernsehproduktion, Regie oder etwas ganz anderes studieren willst – praktische Erfahrung am Set ist immer ein Pluspunkt, wenn nicht sogar Voraussetzung.

Warum?

Weil du hier die professionelle Arbeitsweise einer Filmproduktion von der Pike auf lernst. Du weißt, wie ein Set funktioniert, kennst die unterschiedlichen Gewerke, verstehst die Abläufe und den Druck, unter dem gearbeitet wird.

Das macht einen Unterschied.

Kleiner Tipp für später

Auch wenn Du aktuell noch gar nicht vorhast zu studieren, würde ich Dir trotzdem empfehlen: Lass Dir nach Deinen Projekten immer eine Bescheinigung oder ein Zeugnis ausstellen.

Vielleicht brauchst Du es später doch noch – und dann bist Du froh, wenn Du es hast.

Ein paar gute Adressen:

3. Du gehst ins Regiedepartment

Ich will diesen Punkt gesondert erwähnen, weil ich viele Leute kenne, die als Runner starten – und schon am zweiten Tag mit der Regieassistenz liebäugeln.

Warum ist das so?

Ganz einfach: Die Schnittmenge zwischen der Set-Aufnahmeleitung (Produktion) und der Regieassistenz ist groß. Man arbeitet eng zusammen. Hand in Hand.

Im internationalen System gibt es die klassische deutsche „Set-AL“ in dieser Form oft gar nicht – dort läuft vieles über das AD-System (Assistant Director). Als Runner bist Du also automatisch ziemlich nah dran am Regiedepartment.

Und oft bekommst Du auch schon erste Berührungspunkte.

Zum Beispiel dann, wenn Du plötzlich die Betreuung und Inszenierung von Kompars*innen übernimmst. Genau da merken viele: Das liegt mir. Das macht mir Spaß. Und dann entsteht schnell der Wunsch, Richtung 2. Regieassistenz zu gehen.

Der Weg dorthin ist allerdings ein bisschen steiniger als der zur Set-Assistenz. Die Positionen sind seltener und deutlich umkämpfter.

Umso wichtiger ist es, dass Du sichtbar wirst.

Sprich mit der Regieassistenz, zeig Interesse, stell kluge Fragen und mach klar, dass Du bereit bist für den nächsten Schritt. Wer wirklich will und das auch zeigt (auf eine gute, respektvolle Art), wird wahrgenommen.

Denn ganz simpel: Wenn es Dein Ziel ist, müssen andere wissen, dass es Dein Ziel ist.

Script / Continuity

Und es muss nicht immer die klassische Regieassistenz sein.

Ich kenne zum Beispiel eine ehemalige Set-Runnerin, die sich in das Handwerk der Script/Continuity Die Script/Continuity (Script Supervisor) sorgt für die inhaltliche und visuelle Kontinuität (Anschlussfehler vermeiden) und dokumentiert den Dreh detailliert für den Schnitt (Einstellungen, Zeiten, Dialoge). reingefuchst hat. Sie hat eine Zeit lang in dem Bereich gearbeitet – und ist heute Junior Producerin.

Das zeigt ganz gut: Das Regiedepartment besteht nicht nur aus der Regieassistenz.

Auch hier gibt es verschiedene Wege, die Du einschlagen kannst – je nachdem, was Dir liegt.

4. Du gehst in ein anders Department

Das wirklich Schöne am Job als Set-Runner*in ist: Du bist überall und kommst mit allen in Kontakt – mit Kamera, Kostüm, Maske, Licht, Ausstattung, Grip.

Und das ist eine enorme Chance. Du siehst, wie die einzelnen Departments arbeiten und wie unterschiedlich die Jobs sind.

Und was dann doch häufiger passiert: Aus der Not heraus übernimmst Du plötzlich einen anderen Job.

Was meine ich?

Ich selbst habe als Runner schon Klappe geschlagen, den Ton geangelt oder in der Requisite ausgeholfen. Erstaunlich oft ergeben sich solche Situationen.

Vielleicht merkst Du dann relativ schnell:

Du willst gar nicht organisieren, sondern lieber kreativ arbeiten.

Oder Du willst technisch arbeiten, statt ständig mit Menschen zu koordinieren.

Oder genau andersrum.

Viele entwickeln nach ein paar Projekten dann eine neue Perspektive.

Zum Beispiel:

  • in die Kamera (Assistenz, DIT etc.)
  • in die Ausstattung oder Requisite
  • in Kostüm oder Maske
  • in die Tonabteilung
  • zum Licht oder Grip
 

Achte doch selbst einmal darauf, bei welchem Department Du gedanklich immer hängen bleibst. Vielleicht ist das eine Spur?

5. Du gehst

Es kann sein, dass Du schon in Deinen ersten Tagen am Set merkst: Das hier ist absolut nicht mein Ding.

Vielleicht stellst Du fest, dass Du Filme lieber schaust, als sie herzustellen. Und das ist völlig okay.

In diesem Fall speicherst Du das „Abenteuer Film“ einfach als interessante Erfahrung ab – und ziehst weiter.

Klappe zu, Affe tot. Nächstes Kapitel.

Wo du landest, entscheidest du

Am Ende lassen sich all diese Wege in drei Richtungen einteilen: Du bleibst in der Produktion, du wechselst das Department oder du merkst, dass Film einfach nichts für dich ist.

Egal, welchen dieser Pfade du einschlägst: Als Set-Runner zu starten, ist nie eine Fehlentscheidung. Es ist eine intensive Erfahrung in extrem kurzer Zeit – und das Beste daran? Du wirst sogar dafür bezahlt.

Wenn du auf dein Bauchgefühl hörst, wirst du schnell merken, in welche Richtung es dich zieht.

Der Job als Set-Runner entscheidet nicht, wo du am Ende deiner Film-Karriere landest. Aber er zeigt dir ziemlich schnell, wo du als Nächstes hinwillst.

Bild von Björn S. Breyer

Björn S. Breyer

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