Du hast eine Zusage für Dein allererstes Filmprojekt als Set-Runner bekommen – und vielleicht fragst Du Dich jetzt, wie Du Dich am besten auf dieses Abenteuer vorbereitest. Vielleicht liegt der erste Drehtag noch ein Stück entfernt und Du überlegst, was Du schon jetzt tun kannst.
Ab dem Moment, in dem Du hörst, dass Du mit an Bord bist, wächst die Mischung aus Vorfreude und Unsicherheit ganz automatisch. Und je näher der Drehtag rückt, desto konkreter wird die Frage: Bin ich wirklich gut vorbereitet?
In diesem Artikel schauen wir uns an, was Du von der Zusage bis hin zum Abend vor Deinem ersten Drehtag tun kannst, um gut reinzukommen und mit einem sicheren Gefühl zu starten.
Quick Start: Vor dem ersten Drehtag
Kurzcheck zum Abhaken – die Details stehen im Artikel.
Formalitäten
Dokumente
Organisation
Persönliche Vorbereitung
Die wichtigsten Formalitäten klären
Bevor Du in Dein erstes Projekt startest, sollte alles Vertragliche einmal sauber geklärt sein. Das hier ist keine Rechtsberatung und wir gehen auch nicht tief in juristische Details. Wichtig ist nur, dass Du grob weißt, was in der Filmbranche üblich ist und worauf Du achten solltest.
In der Regel bekommst Du von der Produktion einen befristeten Arbeitsvertrag. Das bedeutet: Du bist fest angestellt, aber nur für den Zeitraum der Produktion. Die Produktion übernimmt in dieser Zeit alle Sozialabgaben und Du wirst ganz normal angemeldet.
Je nachdem, aus welcher Lebenssituation Du kommst – Student*in, arbeitssuchend, Minijob, Nebenjob, selbstständig usw. – können unterschiedliche Punkte wichtig sein. Sprich das offen mit der Produktion ab. Es gibt verschiedene Modelle, und entscheidend ist, dass alles vor Drehbeginn sauber geregelt ist. Meist bekommst Du dafür ein Personalstammblatt, in dem alle relevanten Daten von Dir abgefragt werden.
Schau außerdem einmal darauf, ob im Vertrag alle Angaben stimmen: Zeitraum, Vergütung, Deine persönlichen Daten, Probezeit. Wenn etwas unklar ist, frag nach – niemand erwartet, dass Du Deinen ersten Vertrag kommentarlos unterschreibst. Und wenn Du unsicher bist, lass eine vertraute Person drüberschauen oder frag jemanden Erfahrenen aus Deiner Abteilung.
Was Du vorab wirklich lesen solltest
Sobald du fest im Team bist und die Produktion in die Vorbereitung geht, wirst du in den Mail-Verteiler aufgenommen. Dann prasselt am Anfang eine ganze Menge an Dokumenten auf dich ein – das kann schnell überwältigend wirken, wenn man das noch nicht kennt. Auf ein paar davon gehe ich gleich ein und erkläre dir, welche davon für dich wirklich relevant sind.
Drehbuch lesen
Dieser Punkt liegt mir wirklich am Herzen. Vielleicht denkst Du, dass Du als Set-Runner*in das Drehbuch nicht lesen musst. Und ja, streng genommen stimmt das – für Deine Aufgaben ist es nicht zwingend erforderlich. Trotzdem möchte ich Dir aus zwei Gründen ans Herz legen, es zu tun.
Erstens: Das Drehbuch klärt das Warum. Es zeigt, welcher Film am Ende entstehen soll und welche Mission das Team verfolgt. Für Dein eigenes Mindset kann das enorm helfen – gerade dann, wenn Du bei –2 Grad weit weg vom Set stehst und schlecht gelaunte Menschen am Durchgehen hindern musst. Mir hat es immer gutgetan zu verstehen, warum auch die weniger glamourösen Tätigkeiten wichtig sind.
Zweitens: Es erweitert Deinen Blick. Stell Dir vor, wir drehen eine Neuverfilmung von Frau Holle und Du weißt aus dem Drehbuch, dass eine Figur in einer Szene mit „Pech“ überschüttet wird. Allein daraus lassen sich viele logische Folgen ableiten: Muss die Schauspielerin danach duschen? Wo? Ist es dort warm genug? Gibt es dort eine Umkleide? Ist das Kostüm vorbereitet? Sollte der Produktionsfahrer wissen, dass sie vielleicht mit nassen Haaren ins Auto steigt und er den Wagen vorher vorheizen sollte? Und, und, und …
Wichtig: Es ist nicht Deine Aufgabe, all das zu organisieren oder vorauszuplanen – dafür gibt es andere. Die entsprechenden Angaben findest Du in der Regel auch in der Dispo. Das Vorwissen darüber, was passieren könnte, schärft jedoch Deinen Blick und macht Dich als Set-Runner vorausschauender und sicherer.
Und keine Sorge: Du musst das Drehbuch nicht auswendig können. Ein Gefühl für die Geschichte reicht völlig – und auch eine einzige Fassung, selbst wenn später noch andere Versionen in Deinem Postfach landen.
Stabliste überfliegen
Die Stabliste ist eine Übersicht über die gesamte Crew, also den „Stab“ der Produktion. Sie listet alle beteiligten Personen nach Abteilungen auf – inklusive der wichtigsten Kontaktdaten. Wenn Du die Stabliste einmal überfliegst, bekommst Du schnell ein Gefühl dafür, wie das Team zusammengesetzt ist.
Ich empfehle Dir außerdem, die wichtigsten Handynummern direkt einzuspeichern. Dazu gehören vor allem die Kontakte aus Deiner Abteilung, also der Set-Aufnahmeleitung, aber auch die Nummern der Produktionsfahrer, der Produktionsleitung und des Produktionsbüros. So hast Du alles griffbereit und wunderst Dich später nicht über Anrufe von Nummern, die Du noch nicht kennst.
Drehplan
Der Drehplan ist das organisatorische „Zentralhirn“ der Produktion. Er gibt Dir einen Überblick über den gesamten Drehzeitraum und bündelt viele wichtige Informationen: Szenen, Darsteller*innen, Drehorte und Abläufe. Es ist hilfreich, ihn zumindest grob zu kennen – nicht zuletzt, weil Du so weißt, wann Du arbeitest. Zum Beispiel, ob Nachtdrehs anstehen oder ob auch Wochenenden betroffen sind. Gut organisierte Drehpläne enthalten oft zusätzlich die Adressen der Drehorte sowie die ungefähr geplanten Arbeitszeiten.
Die Dispo
Lies die Dispo für den kommenden Drehtag immer aufmerksam. Die Dispo wird per Mail verschickt: vor dem ersten Drehtag und anschließend jeweils zum Drehschluss für den nächsten Drehtag. Sie ist das zentrale Dokument eines jeden Drehtages und legt fest, wer wann wo sein soll und was passiert. Drehorte, Szenen, Zeiten, Anfahrten und wichtige Kontakte – all das findest Du hier gebündelt.
Für Dich wird die Dispo zum täglichen Briefing. Sie beantwortet einen Großteil der Fragen, die im Laufe des Tages aufkommen könnten. Klar, der erste Blick geht oft auf Arbeitsbeginn und Drehschluss – aber genau danach lohnt es sich, weiterzulesen. Viele der zusätzlichen Informationen helfen Dir, den Drehtag besser einzuordnen und Dich darauf vorzubereiten.
Die Dispo ist kein reines Infoblatt, sondern Dein persönliches Werkzeug.
Je besser Du sie kennst, desto sicherer fühlst Du Dich am Set.
Einordnung
Vom Drehbuch zur Dispo – vereinfacht erklärt
Drehbuch
Hier beginnt alles. Das Drehbuch liefert den kompletten inhaltlichen Rahmen und ist der detaillierte Bauplan, aus dem alles Weitere folgt.
Du liest es, um Kontext zu bekommen – nicht, um Details zu lernen.
Drehplan
Aus dem Drehbuch wird in der Vorbereitung ein Drehplan entwickelt. Er zeigt, wie die Produktion denkt und plant: Motive, Reihenfolge, Nacht- und Wochenenddrehs.
Für Dich reicht ein grober Überblick – auch für Deine persönliche Planung.
Dispo
Die Dispo ist das Ergebnis dieser gesamten Planung. Sie übersetzt alles in den konkreten Drehtag.
Für Dich am Set ist sie das wichtigste Dokument.
Dein Umfeld vorbereiten
Keine Schönfärberei: Bevor Du in eine Produktion startest, solltest Du Dich ein Stück weit „sozial abmelden“. Drehtage sind lang. Mit Anfahrt und eingeplantem Puffer verlässt Du nicht selten schon gegen 6 Uhr das Haus und kommst abends erst gegen 20 Uhr oder später wieder zurück.
Dein Umfeld sollte das wissen. Sag frühzeitig Bescheid, dass Du Dich während der Produktion vielleicht verzögert meldest oder weniger erreichbar bist. Das nimmt Dir Druck – und verhindert unnötige Missverständnisse.
Plane gerade am Anfang Deine Abende nicht zu voll. Die ersten Drehtage sind körperlich und mental anstrengend, und oft bist Du einfach platt. Wenn wichtige Termine wie Arztbesuche während der Produktionszeit anstehen, sprich das vorher an und kläre es rechtzeitig.
Du bist Teil eines Teams, das aufeinander angewiesen ist. Wenn Du fehlst, läuft vieles nur halb so rund. Umso wichtiger ist es, dass Dir klar ist, worauf Du Dich einlässt – und dass Dein persönliches Umfeld das ebenfalls weiß. Gute Vorbereitung nach außen schafft Ruhe nach innen.
Die praktische Vorbereitung
Jetzt ist es so weit: Der Ladetag liegt hinter Dir, und es ist der Abend vor Deinem ersten Drehtag. Vielleicht kribbelt es ein bisschen, vielleicht bist Du leicht nervös – und weißt Du was? So geht es auch vielen Erfahrenen noch. Das hört nicht wirklich auf.
Du hast die Dispo aufmerksam gelesen und gehst, bevor Du schlafen gehst, gedanklich noch einmal eine kleine Checkliste durch. Hier ein Angebot, worauf Du jetzt noch achten kannst.
Kleidung
Hast Du Deine Kleidung für morgen schon rausgelegt? Funktional, wetterfest und unauffällig – das ist die wichtigste Kombination. Am Set gilt: Funktionalität vor Style. Bequeme, eingelaufene Schuhe und das Zwiebelprinzip gehören zu den Klassikern, die Dir den Tag deutlich angenehmer machen.
Gear Check
Hast Du Dir einen kleinen Rucksack gepackt? Powerbank, Ladekabel, vielleicht ein Multitool, oder eine MiniBag für den Gürtel. Auch Wechselkleidung ist sinnvoll. Pro-Tipp: Wechselsocken einpacken und in der Mittagspause einmal tauschen – fühlt sich an wie neu geboren.
Logistik
Hast Du Deine Anfahrt gecheckt? Idealerweise weißt Du genau, wann und wie Du losfährst. Plane Deine Route, baue etwas Puffer ein und prüfe, ob es Besonderheiten gibt. Oft klärt sich das im Vorfeld schon innerhalb der Abteilung, im Gruppenchat oder am Tag davor – trotzdem lohnt sich ein eigener kurzer Check.
Bevor du schlafen gehst
Mein erster Drehtag liegt inzwischen über 14 Jahre zurück. Und trotzdem merke ich vor jedem ersten Drehtag einer neuen Produktion immer noch dieses leichte Grundrauschen. Ein bisschen Nervosität gehört einfach dazu – davon berichten mir auch immer wieder die Erfahrensten. Und das alles nicht aus Unsicherheit, sondern weil ein Dreh eben Verantwortung bedeutet.
Vielleicht hilft Dir dieser Gedanke: Diese innere Anspannung ist nichts Negatives. Sie sorgt dafür, dass man aufmerksam bleibt, Dinge zu Ende denkt und vorbereitet ans Set geht.
Wenn Du Deine Sachen gepackt hast, die wichtigsten Punkte geklärt sind und der Wecker (bei mir sind es drei) gestellt ist, dann hast Du Deinen Teil getan. Der Rest klärt sich morgen.
Mach das Licht aus.
Gute Nacht und einen guten Drehstart.





