Wieviel verdient man als Set-Runner*in?

Ein ehrlicher Blick auf die Zahlen: Gagen, Überstunden und was am Ende wirklich bei Dir ankommt – und wo Du noch mehr rausholen kannst.
Set Runner Gehalt Beispiel mit 140 Euro pro Tag dargestellt durch Euro-Scheine

Lass uns über Geld reden.

Die nackte Realität zuerst: Als Set-Runner*in liegst Du beim Thema Gage Eine Gage ist eine pauschale Bezahlung pro Tag oder Woche – unabhängig von den tatsächlich geleisteten Stunden. meist eher am unteren Ende. Das ist kein Geheimnis. Der Job ist für viele ein Einstieg ans Set, oft der erste bezahlte Schritt in die Branche. Genau deshalb wird in diesem Bereich auch häufig knapp kalkuliert.

Kurz zur Einordnung: Die Gagen können je nach Produktion unterschiedlich ausfallen. Das hier basiert auf meiner Erfahrung und soll Dir eine grobe Orientierung geben. Also keine verbindliche Tarifaussage oder Rechtsberatung.

Was verdient man?

Wenn Du als Set-Runner*in ganz normal angestellt bist, ist erstmal der gesetzliche Mindestlohn die wichtigste Untergrenze. Der liegt in Deutschland seit dem 1. Januar 2026 bei 13,90 Euro pro Stunde.

Am Filmset wird aber selten in einer sauberen 8-Stunden-Logik gedacht. Im TV FFS (Tarifvertrag für Filmschaffende) ist bei Wochengagen geregelt, dass eine 40-Stunden-Woche die Basis ist, mit der Wochengage aber bis zu 50 Stunden pro Kalenderwoche abgegolten sein können.

Überstundenzuschläge greifen dabei erst, wenn bestimmte Grenzen überschritten werden: ab der 11. Stunde an einem Drehtag oder ab der 51. Stunde in einer Woche.

Die Rechnung dahinter

Wenn man das einmal ganz grob auf einen Runner herunterbricht, landet man schnell bei einer einfachen Rechnung:

50 Stunden × 13,90 Euro (Mindestlohn) = 695 Euro brutto pro Woche

Oft wird hier etwas aufgerundet – also etwa 700 Euro brutto pro Woche.

Auf einen typischen Drehtag runtergebrochen sind das ungefähr 140 Euro brutto pro Tag.

Also: Das typische Set-Runner Gehalt in Deutschland liegt in der Praxis oft bei etwa 140 € pro Drehtag bzw. rund 700 € pro Woche.

Zuschläge (kurz erklärt)

Dazu kommen Zuschläge:

11. Stunde: +25 Prozent

ab der 12. Stunde: +50 Prozent

bis 55. Wochenstunde: +25 Prozent

ab der 56. Wochenstunde: +50 Prozent

Nachtarbeit zwischen 22 und 6 Uhr: +25 Prozent

Was bleibt netto übrig?

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Du bist für einen Monat bei einer Produktion angestellt, Steuerklasse 1, keine Kirchensteuer, gesetzlich versichert. In diesem Beispiel hast Du 4 Wochen und 2 Tage gearbeitet (4,4 Wochen entsprechen 4 Wochen plus 2 Arbeitstage) und insgesamt in diesem Monat nur 2 Überstunden gemacht.

So könnte eine Abrechnung ungefähr aussehen. Die Abzüge sind dabei nur ein Richtwert und wurden mit einem Online-Brutto-Netto-Rechner ermittelt.

Abrechnung – Beispiel März 2026

+ Wochengage (4,4 × 700 €) 3.080,00 €
+ Überstunden (2 × 17 €) 34,00 €
Brutto-Gage 3.114,00 €
- Lohnsteuer 330,66 €
- Krankenversicherung 227,32 €
- Rentenversicherung 289,60 €
- Arbeitslosenversicherung 40,48 €
- Pflegeversicherung 74,73 €
Netto-Gage / Auszahlung 2.151,21 €

Was man beachten sollte

Ein Punkt, den viele am Anfang nicht auf dem Schirm haben: Catering am Set ist nicht automatisch gratis.

Nach meiner Erfahrung ist es bei Set-Runner*innen oft so, dass dafür nichts extra abgezogen wird. Aber das ist nicht überall gleich. Es gibt auch Produktionen, bei denen für Verpflegung ein Betrag von der Nettogage einbehalten wird. Das liegt im Bereich von 10 bis 15 Euro pro Tag.

Deshalb lohnt es sich, das vor Vertragsabschluss offen anzusprechen und zu klären, ob Dir etwas für das Catering abgezogen wird. Das ist kein peinliches Detail, sondern ein ganz normaler Verhandlungspunkt.

Geschenktes Geld? Die Pensionskasse Rundfunk

Ein Punkt, der auf Deinem ersten Lohnzettel auftauchen könnte (und sollte), ist die PKR. Die Pensionskasse Rundfunk ist die zusätzliche Altersvorsorge für Filmschaffende.

Wann greift die PKR?

Die PKR greift bei allen Anstalten der ARD, dem ZDF, dem Deutschlandradio und bei fast allen Produktionsfirmen, die Mitglied in der Allianz Deutscher Produzenten (Sektion Kino/TV) sind und nach Tarifvertrag abrechnen.

Bei reinen Werbefilmproduktionen oder Streaming-Giganten (Netflix/Apple/Amazon), die nicht nach dem deutschen TV FFS abrechnen, gibt es den Arbeitgeberanteil oft nicht automatisch.

Wie funktioniert das Prinzip?

Das Prinzip ist simpel: Wenn du dich dort anmeldest, zahlst du einen Prozentsatz deines Bruttos ein (z. B. 4 %, du hast aber die Wahl, ob du mehr geben willst). Das Beste daran: Die Produktion ist verpflichtet, denselben Betrag obendrauf zu zahlen. Würdest du nicht einzahlen, würde dieser Arbeitgeberanteil einfach verfallen.

Was viele unterschätzen

Ein Punkt, der viele abschreckt: Die 4 % Eigenanteil werden direkt von deinem Brutto abgezogen – also noch bevor Steuern und Sozialabgaben berechnet werden.

Das heißt für dich: Da dein steuerpflichtiges Einkommen sinkt, zahlst du weniger Lohnsteuer. In Wahrheit hast du also nicht automatisch 4 % weniger auf dem Konto, sondern deutlich weniger Abzug im Netto. Du tauschst einen kleinen Betrag heute gegen den doppelten Betrag (inkl. Arbeitgeberanteil) für später.

Warum sich das lohnt

Gerade als Set-Runner denkt man selten an die Rente, aber:

  • Es ist eine der wenigen Möglichkeiten, den Arbeitgeber direkt an deiner Vorsorge zu beteiligen – das sind effektiv 100 % Aufschlag auf deinen Beitrag.
  • Die Anmeldung ist einmalig. Danach musst du bei zukünftigen Produktionen nur noch deine Mitgliedsnummer angeben.
  • Gerade bei den vielen kurzen Anstellungen beim Film summieren sich diese Beträge über die Jahre massiv.
 

Mein Tipp: Prüfe bei Vertragsabschluss, ob du „PKR-pflichtig“ abgerechnet wirst. Es lohnt sich, diese Mitgliedschaft so früh wie möglich abzuschließen und die Nummer direkt bei der Produktion anzugeben.

Ist mehr drin?

Ja, grundsätzlich schon.

Es gibt Produktionen, bei denen mehr gezahlt wird. Gerade Werbung liegt oft über dem klassischen Niveau. Auch wenn Du schon ein paar Jobs gemacht hast und am Set sicher unterwegs bist, kannst Du versuchen, mehr auszuhandeln.

Trotzdem: Erwarte nicht zu große Sprünge. In meiner Erfahrung bewegen sich die Wochengagen oft in einem gewissen Rahmen, gerade im Runner-Bereich.

Was aber immer geht: offen darüber sprechen. Am besten frühzeitig. Deine Set-Aufnahmeleiterin oder Dein Set-Aufnahmeleiter kann Dir meistens schon vorab eine realistische Einschätzung geben, was bei der Produktion drin ist.

Und nur weil es ein Einstiegsjob ist, heißt das nicht, dass Du alles kommentarlos akzeptieren musst. Aber es hilft, die eigenen Erwartungen mit der Realität der Produktion abzugleichen.

Arbeitszeit dokumentieren: Dein Stundenzettel

Die meisten Produktionen wollen von Dir wöchentlich einen Stundenzettel. Darauf wird Deine Arbeitszeit genau dokumentiert – also wann Du angefangen hast, wann Du Feierabend hattest, Deine Pausen und wie viele Stunden am Ende zusammenkommen.

Klassisch läuft das über ein PDF oder einen Zettel, den Du händisch ausfüllst. Das funktioniert, ist aber ehrlich gesagt etwas umständlich.

Mach’s per App

Wenn Du es einfacher haben willst, kannst Du das Ganze auch per App machen.

Im App Store oder Google Play findest Du Zeiterfassungs-Apps, die speziell auf Filmschaffende zugeschnitten sind. Viele davon ermöglichen es, Deine Wochenübersicht direkt ans Produktionsbüro zu schicken – und werden in der Praxis problemlos akzeptiert.

Ich habe zum Beispiel eine Zeit lang „TimeSheet“ genutzt. Der Vorteil: Du hast Deine Stunden, Deine Gage und Deine Überstunden direkt im Blick. Vieles wird automatisch berechnet, und Du verlierst nicht so schnell den Überblick.

Und was heißt das jetzt konkret?

Mein erster Set-Runner-Job war eine Praktikumsvergütung von 450 € im Monat. Zum Glück hat sich da in der Branche einiges verbessert.

Set-Runner*in zu sein ist finanziell selten ein Job, den man wegen des Geldes anfängt. Es ist eher ein Einstieg. Ein Türöffner. Eine Möglichkeit, das Set kennenzulernen, Abläufe zu verstehen und Kontakte aufzubauen.

Gerade am Anfang geht es weniger ums Geld und mehr darum zu verstehen, wie ein Drehtag wirklich abläuft.

Trotzdem sollte man beim Geld nicht naiv sein. Es hilft, grob zu rechnen, was am Ende des Monats rauskommt, und ein paar Dinge vorher zu klären – zum Beispiel, ob ein Cateringabzug anfällt oder nicht.

Bild von Björn S. Breyer

Björn S. Breyer

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