Oh, du hast dieses kleine Easter Egg gefunden. Schön!
Hier geht es ausnahmsweise mal um etwas abseits des Filmsets. Wobei auch bei diesem Projekt geplant, improvisiert und gelegentlich ordentlich geflucht wurde. Aber der Reihe nach.
Ich lese obsessiv gern. Vor allem Sachbücher. Bin in einem Buchclub und finde diese öffentlichen Bücherschränke faszinierend, denen man immer mal wieder begegnet. Tür auf, reinschauen, etwas entdecken. Bücher mitnehmen, andere hineinstellen. Tolles Konzept.
Meine Mutter sieht das genauso. Irgendwann schlich sich also dieser Satz in unseren Kopf: „Warum stellen wir eigentlich keinen eigenen auf?“
Dann passierte lange genau das, was mit solchen Sätzen passiert:
Nichts.
Die Telefonzelle blieb eine Telefonzelle
Ideen gab es. Eine ausrangierte gelbe Telefonzelle. Der Klassiker. Die umbauen, Bücher rein, fertig. Bis ich mir die Preise anschaute. Alter. Für die Angebote, über die ich stolperte, hätte ich vierstellige Beträge hinlegen müssen. Noch ohne Bücherregale.
Nächster Plan: Vielleicht also einen alten Schrank wetterfest machen? Auch gut. Man sieht ja gelegentlich passende Exemplare auf dem Sperrmüll. Meistens dann, wenn man gerade zu Fuß unterwegs ist.
Und sobald ich wieder mitten in Dreharbeiten steckte, rückte das Bücherhaus ohnehin ganz weit in den Hinterkopf.
Im Oktober 2026 fügte sich dann doch alles: Ich hatte Zeit, wir hatten Lust, und meine Wetter-App versprach ein paar überraschend goldene Herbsttage.
So die Vorhersage. Ob es so blieb … nun ja.
Erst die Vision, dann in den Baumarkt
Am Anfang stand eine KI-Visualisierung. Nach ein paar Prompts hatte ich ein Bild, das als Zielvorstellung ziemlich gut funktionierte.
Das war auch praktisch, um Familie und Freunden zu zeigen, was wir eigentlich vorhatten. Plötzlich konnten alle etwas damit anfangen und eigene Ideen beisteuern.
Ein Bild baut allerdings noch kein Haus. Also kritzelte ich einen Bauplan, wir sichteten das Restlager im Schuppen und fuhren in den Baumarkt.
Es sollte nicht der letzte Besuch bleiben.
Ich bin zwar Enkel eines Tischlers. Das heißt leider nicht, dass man automatisch immer gerade sägt. So oft arbeite ich nun auch wieder nicht mit Holz.
Unsere Arbeitsteilung war schnell gefunden: Ich baue, meine Mutter streicht. Und die Devise lautete, nicht jedes Detail endlos kaputtzudenken. Erstmal anfangen. Im Zweifel kommen die Schrauben eben wieder raus.
Das Dach musste unbedingt heute noch drauf
Bei solchen Projekten gleite ich schnell in einen Flow. Leider hat dieser Tunnel einen engen Verwandten: Die absolute Ungeduld.
Sobald ich Fortschritte sehe, will ich weitermachen. Sofort. Noch dieses Brett. Noch diese Schraube. Noch eben schnell das Dach.
Die Dachkonstruktion hatten wir trocken in der Garage gestrichen und vormontiert. Dann fing es an zu regnen.
Wäre ich nur immer vernünftig hätte ich vermutlich gesagt: Morgen ist auch noch ein Tag.
Nein. Ich wollte das Dach draufhaben. Jetzt!
Also standen wir im strömenden Regen und versuchten, die Konstruktion auf das Gestell zu hieven. Sie klemmte. Braune Holzfarbe lief mir langsam, aber stetig die Unterarme herunter bis in die Achselhöhlen. Schrauben mussten unter Flüchen gelöst, Bretter verkantet und neu justiert werden. Ich schimpfte auf das Holz, den Regen und die Welt.
Am Ende saß das Dach. Ich war von oben bis unten eingesaut und das honigfarbene Giebeldreieck hatte ein paar unschöne braune Regenspuren abbekommen.
Die Spuren kann man noch sehen. Falls jemand fragt: Das war mein Dickkopf.
Richtfest
Als die Dachkonstruktion stand und bereit zum Decken war, gab es natürlich ein kleines Richtfest. Wenn schon, denn schon.
Ja, es gab sogar eine Rede.
Liebe Karola, liebe Gäste,
wie es der alte Brauch verlangt, sei heut dem Bau ein Dank gezollt. Das Holz steht fest, der Giebel ragt – nun wird das Dach darauf gewagt!
Karolas Bücherhaus soll heißen, was wir hier heute freudig preisen. Ein kleines Haus mit großem Sinn: Hier ziehen bald Geschichten ein.
Hier darf man stöbern, Bücher bringen, mit ihnen fremde Welten finden. Ob Krimi, Märchen, Liebesglück – nimm eines mit, bring eins zurück!
Dem Bauherrn sei ein Lob beschieden, der sägte, schraubte, strich mit Mühen. Nicht jeder Winkel war gleich klar – doch schaut nur hin: Jetzt steht es da!
Nun möge dieses Dach bewahren, was Menschen lesen, viele Jahre. Vor Regen, Sturm und Schnee geschützt, sei jedes Buch hier gut benützt.
Drum hebt die Gläser, stimmt mit ein: Dies Haus soll voller Leben sein!
Auf Karola, auf die Bücher und auf alle, die hier Freude finden:
Hoch soll es leben – hoch, hoch, hoch!
Überhaupt war das längst kein Projekt mehr, an dem nur wir beide werkelten. Mein Cousin, mein Onkel, der Freund meiner Mutter und meine Schwester kamen vorbei. Alle standen irgendwann im Hof, hielten Bretter, diskutierten über Lösungen oder steuerten Material bei. (Danke euch!)
Mein bester Freund entwarf schließlich die runden Giebelfenster und fertigte sie mit seinem 3D-Drucker an. Inklusive eines feinen Schattenspiels, das man sieht, wenn die Dämmerung einsetzt. Es sind genau diese kleinen Details, die aus einem einfachen Bücherschrank ein Bücherhaus machen.
Die nackten Zahlen
Nach insgesamt sechs Bautagen stand das Werk. Natürlich hatte ich vorher unterschätzt, wie lange das alles dauern würde. Vor allem die vielen kleinen Dinge, die nach „fast fertig“ noch kommen und sich zuverlässig über zwei volle Nachmittage ziehen.
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Holz für Gestell, Verkleidung, Böden, Tür und Leisten | 270,20 € |
| Beize und Klarlack | 39,57 € |
| Beschläge, Schrauben und Dichtungsband | 55,87 € |
| Scheibe für die Tür | 27,49 € |
| Stromkupplung und Lampenfassung | 12,28 € |
| Giebelfenster aus dem 3D-Drucker (geschätzt) | 12,00 € |
| Außenschild „Bücher für alle“ | 57,39 € |
| Estrichbeton | 6,98 € |
| Gesamt | 481,78 € |
So viel haben wir in etwa ausgegeben. Wer das Haus nachbauen möchte, sollte allerdings anders rechnen: Einiges hatten wir schon da: Farbe, ein paar Balken, Schrauben und Einschlaghülsen konnten wir weiterverwenden. Leuchtmittel und Zeitschaltuhr hatten wir ebenfalls da. Die Dachpappe spendierte mein Onkel.
Am Ende steht da etwas
Seit dem 17. Oktober 2026 steht Karolas Bücherhaus nun in der August-Bebel-Straße 58 in Gerwisch. Eingeweiht, beleuchtet, 24/7 geöffnet.
Es dauerte gefühlt fünf Minuten, bis die ersten davor stehen blieben. Nach nicht einmal zwei Tagen war unser Häuschen schon gut gefüllt. Das zu sehen, tut erstaunlich gut.
Ich glaube, für solche Herzensprojekte muss man sich manchmal bewusst Zeit nehmen. Bei mir schwirren Ideen pausenlos im Kopf herum, verglühen aber nicht selten irgendwo im Nirgendwo. Bis man irgendwann aufhört zu reden und einfach ins machen kommt.
Gerade wenn man viel digital arbeitet und ständig auf irgendwelche Bildschirme starrt, ist es ziemlich befriedigend, mal etwas mit den Händen zu bauen. Abends steht da etwas, das morgens noch ein Stapel Bretter war. Greifbar, echt und hoffentlich regenfest.
Dass daraus etwas geworden ist, das auch anderen im Ort Freude machen kann, macht es für mich umso schöner. Jetzt hoffe ich, dass das Bücherhaus gut angenommen wird und möglichst lange stehen bleibt. Ich wünsche meiner Mutter von Herzen allzeit ein gutes Händchen, tolle Begegnungen und ganz viel Freude mit ihrem eigenen Bücherhaus.
Ein paar Macken hat die Konstruktion natürlich. Aber wir wissen ja zum Glück ganz genau, an welchen Schrauben wir drehen müssen.
Weitere Einblicke
Wenn du mal in der Nähe bist: Schau vorbei, mach die Tür auf. Vielleicht findest du genau das Buch, von dem du gar nicht wusstest, dass du es gesucht hast.











