Zusatzqualifikationen für Set-Runner

Erste Hilfe und Brandschutz sind sinnvolle Extras für deinen Einstieg am Set. Welche Kurse du brauchst, was sie kosten und wann die Produktion dafür aufkommt.
Grüner Erste-Hilfe-Koffer und roter Feuerlöscher an einem Filmset, mit unscharfer Filmtechnik im Hintergrund.

Was ziehe ich an? Was muss in den Rucksack? Und wie komme ich morgens zum Motiv? Bei der Vorbereitung auf den ersten Drehtag fallen einem einige Dinge ein. Ein Erste-Hilfe-Kurs steht vermutlich weiter unten auf der Liste. Den hat man schließlich schon für den Führerschein gemacht. Die Frage ist nur: Wie lange ist das her – und wie viel ist noch hängen geblieben?

Liegt dein Kurs erst kurz zurück, bringst du die nötige Grundlage möglicherweise schon mit. Andernfalls lohnt es sich, das Wissen aufzufrischen. Genauso sinnvoll kann eine Ausbildung zum Brandschutzhelfer sein – gerade, wenn du längerfristig beim Film arbeiten möchtest.

Aber vorweg: Du musst diese Qualifikationen nicht mitbringen, um als Set-Runner*in einzusteigen. Sie sind keine allgemeine Einstiegsvoraussetzung. Du brauchst also nicht erst zwei Bescheinigungen, bevor du dich bewerben kannst. Eine nützliche Ergänzung sind sie trotzdem.

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Ein Pluspunkt am Set

Am Set arbeiten viele Menschen mit viel Technik an ständig wechselnden Orten. Da muss nicht erst jemand bei einem spektakulären Stunt vom Dach fallen, damit Erste Hilfe relevant wird. Ein umgeknickter Fuß, eine Schnittverletzung oder Kreislaufprobleme reichen völlig.

Grundsätzlich können sich Teammitglieder aus jedem Gewerk in Erster Hilfe und Brandschutz ausbilden lassen. In der Praxis schaut man bei der Suche nach diesen Qualifikationen aber häufig auf das Team der Set-Aufnahmeleitung. Es organisiert Abläufe, kennt das Motiv und ist ohnehin für vieles die erste Anlaufstelle.

Wenn du als Runner entsprechende Kenntnisse mitbringst, ist das deshalb ein Pluspunkt. Vor allem gewinnst du selbst mehr Sicherheit: Was mache ich, wenn etwas passiert? Wen verständige ich? Und wann halte ich lieber Abstand?

Du wirst durch einen Kurs weder zum Sanitäter noch zur Feuerwehr. Das erwartet auch niemand.

Wie viele ausgebildete Helfer braucht ein Filmset?

Die Produktion muss dafür sorgen, dass ausreichend qualifizierte Helfer zur Verfügung stehen. Dafür gibt es Vorgaben:

Ersthelfer: Bei zwei bis 20 anwesenden Versicherten muss mindestens ein Ersthelfer verfügbar sein. Bei größeren Teams sind grundsätzlich mindestens zehn Prozent erforderlich. Bei 40 Personen wären das also vier.

Brandschutzhelfer: Bei normaler Brandgefährdung gelten fünf Prozent der Beschäftigten als üblicher Richtwert. Bei erhöhten Risiken können mehr Helfer und zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich sein.

Soll beispielsweise für eine Szene ein Auto brennen, ist das keine Aufgabe, die ein Brandschutzhelfer mal eben nebenbei absichert. Für solche Drehs braucht es besondere Sicherheitsmaßnahmen. Dazu kann auch eine Brandsicherheitswache der Feuerwehr gehören, die während des Drehs bereitsteht.

Entscheidend ist außerdem, dass die vorgesehenen Helfer tatsächlich vor Ort verfügbar sind. Wer den Tag im entfernten Produktionsbüro verbringt, kann nicht gleichzeitig als Ersthelfer für das Team am Motiv eingeplant werden.

Wenn die Produktion vor Drehbeginn nach solchen Nachweisen fragt, möchte sie also klären, wer diese Aufgaben im Team übernehmen kann.

Ersthelfer werden

Was lernst du im Kurs?

Im Erste-Hilfe-Kurs übst du unter anderem, Verletzungen zu versorgen, eine bewusstlose Person in die stabile Seitenlage zu bringen und eine Wiederbelebung durchzuführen. Es geht darum, im Ernstfall ins Handeln zu kommen.

Die Ausbildung umfasst neun Unterrichtseinheiten à 45 Minuten. Mit Pausen solltest du dafür einen ganzen Tag einplanen. Praktische Übungen gehören dazu – ein reiner Onlinekurs reicht für die Qualifikation als betrieblicher Ersthelfer nicht aus.

Wo findest du Kurse und was kosten sie?

Eine gute Anlaufstelle ist die Kurssuche der Qualitätssicherungsstelle Erste Hilfe. Dort findest du zugelassene Ausbildungsstellen in deiner Nähe, darunter bekannte Hilfsorganisationen und private Anbieter.

Du kannst auch nach „betrieblicher Ersthelfer + deine Stadt“ suchen. Achte darauf, dass der Anbieter für diese Ausbildung ermächtigt ist, und gib bei der Buchung an, dass du den Nachweis beruflich nutzen möchtest.

Als Selbstzahler kannst du dich für einen regulären Tageskurs beispielsweise an etwa 60 bis 70 Euro orientieren. Die Preise unterscheiden sich je nach Anbieter und Region.

Wann musst du auffrischen?

Als betrieblicher Ersthelfer ist in der Regel alle zwei Jahre eine Fortbildung vorgesehen. Dafür solltest du wieder einen ganzen Kurstag einplanen. So bleiben die Handgriffe präsent, die du hoffentlich selten brauchst.

Hast du deinen Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein erst innerhalb der letzten zwei Jahre gemacht, kann dieser auch für den betrieblichen Einsatz ausreichen. Voraussetzung ist, dass der Anbieter für die Ausbildung betrieblicher Ersthelfer ermächtigt ist. Dann brauchst du für den Einstieg als betrieblicher Ersthelfer keinen zusätzlichen Grundkurs.

Brandschutzhelfer werden

Was lernst du im Kurs?

Ein Feuerlöscher sollte am Set-Tisch griffbereit stehen. Ihn im richtigen Moment sinnvoll einzusetzen, ist nochmal etwas anderes.

Bei der Ausbildung zum Brandschutzhelfer lernst du, welche Gefahren durch Brände entstehen, wie du dich im Brandfall verhältst und wie Feuerlöscher funktionieren. Eine praktische Löschübung gehört dazu. Ebenso wichtig: zu erkennen, wann ein eigener Löschversuch zu gefährlich wäre.

Viele Kurse dauern ungefähr einen halben Tag. Zusätzlich musst du dich am jeweiligen Drehort orientieren: Wo stehen weitere Feuerlöscher? Wo verlaufen die Fluchtwege?

Wo findest du Kurse und was kosten sie?

Angebote findest du beispielsweise über die Brandschutzhelfer-Kurssuche der Johanniter oder mit der Suche „Brandschutzhelfer Ausbildung + deine Stadt“.

Achte darauf, dass ausdrücklich eine Ausbildung zum betrieblichen Brandschutzhelfer mit praktischer Löschübung angeboten wird. Ein reines Onlinezertifikat reicht nicht.

Als grobe Orientierung kannst du mit etwa 110 bis 150 Euro rechnen. Es gibt auch teurere Angebote; ein kurzer Vergleich lohnt sich.

Wann musst du auffrischen?

Auch beim Brandschutz lohnt es sich, die Handgriffe regelmäßig zu üben. Empfohlen wird eine Auffrischung mit praktischer Löschübung alle zwei bis fünf Jahre. Bei besonderen Brandgefahren oder veränderten Arbeitsbedingungen kann sie früher nötig sein.

Wenn dein letzter Kurs schon einige Jahre zurückliegt, sprich das bei der nächsten Produktion kurz an. Vielleicht lässt sich eine Auffrischung gleich mitorganisieren.

Frag bei der Produktion nach, bevor du selbst bezahlst

Wenn du bereits für eine Produktion zugesagt hast, lohnt sich eine kurze Nachfrage bei Deiner 1. Aufnahme- oder Produktionsleitung:

„Ich würde gern einen Erste-Hilfe-Kurs oder die Ausbildung zum Brandschutzhelfer machen. Organisiert ihr dafür etwas oder könnt ihr die Kosten übernehmen?“

Manche Produktionen planen solche Schulungen ohnehin vor Drehbeginn, damit ausreichend qualifizierte Personen im Team sind. Vielleicht kannst du dich einfach anschließen.

Bei betrieblichen Ersthelfern übernimmt häufig die zuständige Berufsgenossenschaft die Kursgebühren. Die Abrechnung läuft dann direkt zwischen Ausbildungsstelle und Berufsgenossenschaft. Die notwendige Brandschutzhelfer-Ausbildung bezahlt dagegen grundsätzlich das Unternehmen.

Kläre das möglichst vor der Buchung. Erst privat bezahlen und hinterher auf eine Erstattung hoffen, ist unnötig umständlich und funktioniert nicht immer. Wird die Schulung vom Arbeitgeber als notwendige Arbeitsschutzmaßnahme veranlasst, darf er dir deren Kosten nicht aufdrücken.

Du kannst dich auch selbst darum kümmern

Natürlich musst du nicht warten, bis eine Produktion einen Kurs organisiert. Du kannst dich genauso auf eigene Initiative anmelden. Freie Zeit zwischen zwei Projekten bietet sich dafür gut an.

Wenn du die Kosten selbst trägst und die Fortbildung beruflich veranlasst ist, kannst du sie grundsätzlich als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Heb dafür Rechnung und Teilnahmebescheinigung auf. Bereits erstattete Kosten kannst du nicht zusätzlich absetzen. Und absetzen bedeutet nicht, dass du automatisch den kompletten Betrag zurückbekommst.

Anschließend kannst du die Qualifikation mit dem Kursdatum in deine Vita aufnehmen und auch auf deinem Crew-United-Profil unter „Spezielle Kenntnisse“ eintragen. Speichere den Nachweis so ab, dass du ihn bei Bedarf schnell wiederfindest und der Produktion schicken kannst. Trag dir außerdem gleich eine Erinnerung für die Auffrischung in deinen Kalender ein.

Eine sinnvolle Ergänzung

Du musst vor deinem ersten Runnerjob nicht jede denkbare Zusatzqualifikation sammeln. Aber wenn du etwas mehr in deine Vorbereitung investieren möchtest, sind Erste Hilfe und Brandschutz eine gute Möglichkeit. Und was du dort lernst, kannst du auch außerhalb eines Filmsets gebrauchen.

Im besten Fall bleibt die Löschübung die einzige Gelegenheit, bei der du einen Feuerlöscher benutzen musst. Gut, wenn du trotzdem weißt, wie es geht.

Bild von Björn S. Breyer

Björn S. Breyer

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